Potsdam, 05. Mai 2026 – Das Forum Natur Brandenburg e.V. übt scharfe Kritik am Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. In seiner jetzigen Form zeigt der Plan vor allem eines: gravierende Planungsdefizite. Es fehlen belastbare Daten, konkrete Maßnahmenkulissen, eine verlässliche Finanzierung und nachvollziehbare Prioritäten. Trotzdem sollen bereits bis 2030 auf rund 20 % der Landesfläche Maßnahmen umgesetzt werden.
Gernot Schmidt, Vorsitzender des Forums Natur Brandenburg e.V.: „Das ist keine Planung, das ist Planlosigkeit. Niemand würde mit einem Hausbau beginnen, wenn noch nicht klar ist, wo das Haus stehen soll, wie groß es wird und wie es finanziert werden kann. Genauso soll aber jetzt die Naturwiederherstellungsverordnung umgesetzt werden.“
Ein zentrales Ziel der Verordnung ist die Verbesserung des ökologischen Zustands geschützter Lebensräume, auch außerhalb von Schutzgebieten – dort, wo es erforderlich ist. Der Entwurf des Wiederherstellungsplans zeigt jedoch, dass die Behörden in weiten Teilen nicht einmal belastbar wissen, wo diese Lebensräume tatsächlich liegen und in welchem Zustand sie sich befinden. Die bestehenden Wissenslücken machen eine Planung von Maßnahmen unseriös. Die gestartete Öffentlichkeitsbeteiligung wird somit zur Farce.
Malte Eberwein, Vorsitzender des Waldbesitzerverbands Brandenburg e.V. ergänzt: „Wenn riesige Waldflächen als Maßnahmenkulisse genannt werden, ohne klare Zielwerte, ohne Priorisierung und ohne Finanzierung, ist das kein Konzept, sondern ein Risiko für hunderttausende Waldeigentümer. So wurden die Veränderungen der Waldlebensraumtypen vor dem Hintergrund des Klimawandels nicht bedacht, wodurch gegenteilige Effekte entstehen können. Dadurch verhindert der aktuelle Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans sogar notwendige Maßnahmen zur Stabilisierung von Wäldern unter veränderten Klimabedingungen, etwa die Einbringung klimaresilienter Baumarten.“
Gleichzeitig werden erneut die gleichen Fehler gemacht wie bei Natura 2000: Beschwichtigungen mit angeblicher Freiwilligkeit, fehlende Finanzierung und überambitionierte Zielvorgaben bei gleichzeitig unzureichender Datengrundlage. Die Erfahrung zeigt, dass „Freiwilligkeit“ am Ende häufig durch ordnungsrechtliche Einschränkungen ersetzt wird – zulasten der Eigentümer und Bewirtschafter.
Neben erheblichen betriebswirtschaftlichen Risiken für land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Be-triebe drohen auch Einschränkungen für weitere legitime Nutzungen des ländlichen Raums. Davon betroffen sind insbesondere Jagd sowie Angelfischerei, deren Rahmenbedingungen unmittelbar von den vorgesehenen Maßnahmen beeinflusst werden können.
Dazu Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Brandeburg/Berlin e.V.: „Ein derart leichtfertiger Umgang mit Eigentum, Nutzungssystemen und regionaler Wertschöpfung gefährdet nicht nur die Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung selbst. Er ist auch geeignet, das Ver-trauen in staatliches Handeln weiter zu untergraben und europakritische sowie radikale politische Kräfte im ländlichen Raum zu stärken.“
Forum Natur Brandenburg e.V. fordert daher:
– einen sofortigen Stopp der Umsetzungsschritte auf Grundlage des vorliegenden Entwurfs,
– eine grundlegende Überarbeitung der Naturwiederherstellungsverordnung auf europäischer Ebene,
– eine belastbare und flächenscharfe Datengrundlage vor jeder Maßnahmenplanung,
– ein verbindliches Finanzierungs- und Entschädigungskonzept,
– echte Beteiligung der Eigentümer und Bewirtschafter vor Festlegung von Maßnahmenkulissen,
– eine politische Garantie, dass Freiwilligkeit nicht nachträglich durch Ordnungsrecht ersetzt wird.
Quelle: Forum Natur Brandenburg e.V.