Überarbeitung der Verordnung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin

Überarbeitung der Verordnung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin: Forum Natur Brandenburg e.V. fordert echten Neustart für Beteiligung und regionale Entwicklung.

Die laufende Überarbeitung der Verordnung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin bietet die Chance, langjährige Konflikte zwischen Reservatsverwaltung, Gemeinden, Flächeneigentümern und Landnutzern endlich zu lösen. Aus Sicht des Forums Natur Brandenburg e.V. kann die Novellierung jedoch nur erfolgreich sein, wenn die Menschen vor Ort künftig tatsächlich mitentscheiden und ihre Interessen gleichberechtigt berücksichtigt werden.

Die Akzeptanz des Biosphärenreservats leidet seit Jahren unter wiederkehrenden Konflikten um Gemeindeentwicklung, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Wasserbewirtschaftung sowie die Nutzung von Flächen und Infrastruktur. Viele dieser Auseinandersetzungen haben nach Auffassung des Forum Natur Brandenburg e.V. zwei zentrale Ursachen:

Erstens werden Gemeinden, Eigentümer und Flächenbewirtschafter bis heute nicht ausreichend in Entscheidungen der Reservatsverwaltung einbezogen, obwohl sie die Folgen naturschutzfachlicher Vorgaben unmittelbar tragen.

Zweitens erleben viele Betroffene die Reservatsverwaltung als Behörde, die berechtigte Einwände häufig übergeht, statt sie als Grundlage eines gemeinsamen Entwicklungsprozesses zu nutzen. Dies hat vielerorts den Eindruck entstehen lassen, dass sie nach Gutsherrenart auf Vorgaben statt auf Dialog setzt.

Besonders deutlich zeigen sich diese Defizite am Kuratorium des Biosphärenreservats. Obwohl es als zentrales Beteiligungsgremium des Biosphärenreservats gilt, fehlen dort bis heute wichtige Nutzergruppen. Weder Erwerbsfischerei noch Anglerschaft, Fortswirtschaft oder Jägerschaft verfügen über eine eigene Vertretung und damit über ein wirksames Mitspracherecht. Zugleich hat das Gremium bislang nur eine beratende Funktion. 

Vor diesem Hintergrund fordert das Forum Natur Brandenburg e.V.:

• die Überarbeitung der Regelungen zur Berufung von Kuratorien für Großschutzgebiete und deren Befugnissen,

• die verpflichtende Beteiligung der Kuratorien bei allen wesentlichen Planungen und Regelwer-ken,

• eine verbindliche Vertretung aller maßgeblichen Nutzergruppen, so auch die Erwerbs- und Angelfischerei, die Forstwirtschaft sowie die Jagd

• die Herstellung des Einvernehmens mit dem jeweiligen Kuratorium bei grundlegenden Entscheidungen der Reservatsverwaltung,

• die frühzeitige Einbindung regionaler Akteure bereits bei der Erarbeitung von Entwürfen und nicht erst im Rahmen formaler Anhörungen.

Die Gemeinden, Unternehmen und Landnutzer im Biosphärenreservat brauchen verlässliche Entwicklungsperspektiven. Naturschutz darf nicht dazu führen, dass ländliche Räume wirtschaftlich ausgebremst und Zukunftschancen dauerhaft eingeschränkt werden.

Ein Biosphärenreservat ist kein Freilichtmuseum, sondern eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Naturschutz kann nur dauerhaft erfolgreich sein, wenn er gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestaltet wird. Die bisherige Verordnung wird diesem Anspruch vielfach nicht gerecht. Sie begrenzt die Entwicklungsmöglichkeiten vieler Gemeinden und erschwert den Menschen in der Region die Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Zukunftspläne. Die Überarbeitung muss deshalb zu mehr Mitbestimmung, mehr Akzeptanz und mehr regionaler Entwicklung führen.“, erklärt Gernot Schmidt, Vorsitzender des Forums Natur Brandenburg e.V.

Das Forum Natur Brandenburg e.V. wird sich aktiv in den weiteren Überarbeitungsprozess einbringen und erwartet, dass die Anliegen der betroffenen Gemeinden, Eigentümer, Landnutzer und Bürger künftig auf Augenhöhe berücksichtigt werden.

Quelle: Forum Natur Brandenburg e. V.

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