FNR: Handlungsleitfaden „Buche-Akut“ erschienen
Über sechs Jahre haben Wissenschaftler in weiten Teilen Deutschlands das Schadgeschehen an der Buche beobachtet und erforscht. Ihre Erkenntnisse sind in eine kompakte Broschüre eingeflossen. Zum einen hilft diese dabei, Schadbilder zu bewerten, zum anderen gibt es konkrete Handlungsempfehlungen für den Praktiker, je nach Standort und Risikosituation. Ein juristischer Exkurs befasst sich mit Fragen der Verkehrssicherungspflicht in geschädigten Waldbeständen.
Die Rot-Buche (Fagus sylvatica L.) gilt in weiten Teilen Mitteleuropas als Schlüsselbaumart, zeigt jedoch seit den Dürre- und Hitzesommern ab 2018 deutliche Vitalitätsprobleme bis hin zu regional gehäuftem Absterben – besonders in älteren Beständen. Vor dem Hintergrund des voranschreitenden Klimawandels werden Extremwetterlagen wie langanhaltende Trockenheit, extreme Hitze und veränderte Niederschlagsmuster wahrscheinlicher.
Im Verbundvorhaben „Buche-Akut“ untersuchten Wissenschaftler des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und der Georg-August-Universität Göttingen das Ausmaß und mögliche Ursachen der Buchenkalamitäten in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Projektpartner forschten dabei auf unterschiedlichen Skalenebenen: von der Pathologie des Einzelbaums über die Waldstruktur und Bewirtschaftungshistorie des Bestandes bis hin zum überregionalen Einfluss des Wetters, der Topographie, und des Bodens über den Zeitraum der Dürreperiode 2018 bis 2024.
Die Forschungsergebnisse
- Über ganz verschiedene Ausgangsituationen bei Boden, Wasserhaushalt und Exposition hinweg wurden unterschiedlich bewirtschaftete Buchenbestände in allen möglichen Altersstufen untersucht und Zusammenhänge zu den jeweiligen Schadverläufen hergeleitet.
- Die möglichen Schadmerkmale (u. a. Kronenverlichtung, Pilz- und Insektenbefall) und der mögliche zeitliche Verlauf wurden genau beschrieben und mit Bildern illustriert.
- In Abhängigkeit von den standörtlichen Voraussetzungen, der Prädisposition der Buchenbestände und den sich daraus ergebenden Risikostufen wurden konkrete waldbauliche Handlungsempfehlungen entwickelt, wie die jeweiligen Wälder zukünftig zu behandeln sind. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass bei begrenzten Ressourcen im Forstbetrieb Prioritäten gesetzt werden müssen.
- Einen starken Fokus legten die Forscher bei „Buche-Akut“ auf den Wissenstransfer in die Praxis. Neben den üblichen Seminarveranstaltungen, Exkursionen und Tagungsbeiträgen entstand hier auch eine ganze Reihe von Video- und Podcast-Beiträgen. Zuletzt ist die Broschüre „Buche-akut – Handlungsoptionen für die zukünftige Bewirtschaftung von Buchenwäldern im Klimawandel“ erschienen.
Der Leitfaden
Der 58-seitige Handlungsleitfaden gliedert sich in drei Teile. Nach einer einführenden Analyse der Einflussfaktoren auf die Buchenschäden durch Trockenheit und Hitze werden klare Handlungsempfehlungen in Abhängigkeit von den standörtlichen Voraussetzungen für Bestände mit hohem Risiko und mit niedrigem Risiko gegeben. Ergänzend gibt es eine Bonituranleitung mit vielen Bildern, um die Bäume für die fortlaufende Inventur nach ihrem Schadbild zu klassifizieren. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit aktuellen juristischen Fragen zur Verkehrssicherungspflicht in kalamitätsgeschwächten Wäldern.
Die Broschüre steht zum Download und Bestellen in der FNR-Mediathek bereit.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)